Projekte
November 2008
Leserbrief im Regionalwährungs-Newsletter
Meine Gedanken zum Waldviertler:
Es war die Zeit der Waldviertler-Regionalwährungs-Finanzkrise. Damals hatte eine öffentliche Förderung gedroht das Projekt bis zur Unkenntlichkeit zu verändern. Die gute Folge dieser Krise war eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Vision: „Das gute Leben ist möglich!“
Es war genau diese Zeit, als ich den Waldviertler und seine Visionärinnen und Visionäre kennenlernte. Ich war sofort von der Idee begeistert:
1) der Umweltgedanke – regionale Produkte fördern heißt Transportwege verkürzen
2) der Ökonomiegedanke – bleibt das Geld hier, kommen wieder Wirtschaft und Leute her
3) der Marketinggedanke – da spreche ich ja genau meine Zielgruppe an!
Klar, dass ich also mein damals blutjunges Unternehmen sofort zum Mitgliedbetrieb machte.
Nun ist die Zeit der globalen Finanzkrise. Das gewohnte Finanzsystem zeigt sein wahres Gesicht: kaum durchschaubar und wenig vertrauenswürdig. Wir wissen nun: unsere Versicherungen und Sparguthaben „arbeiten“ für uns auf spielcasinoähnlichen Finanzmärkten und lassen uns zum Teil von den Verschuldungszinsen weit ärmerer Menschen profitieren.
Was hat das nun mit dem Waldviertler zu tun?
Bis heute habe ich keinen einzigen Waldviertler eingenommen. Allerdings habe ich auch ehrlich gesagt kaum welche ausgegeben. Klar: ich bin jetzt viel aufmerksamer beim Einkaufen und kaufe noch mehr aus der Region als vorher schon. Aber wo mein Geld dann hinwandert und wie es dort „arbeitet“ weiß ich immer noch nicht.
Daher habe ich mir vorgenommen mir ein gutes Beispiel an unserer Politik zu nehmen: die pumpt Milliarden meines Steuergeldes in ein offensichtlich gescheitertes Finanzsystem, das mir nicht gefällt, um es am Leben zu erhalten. Ich werde ab sofort hundert Waldviertler monatlich in ein wertvolles Regionalwährungssystem pumpen, das mir sehr gefällt, um es leben zu lassen. Der angenehme Nebeneffekt: ich erwerbe lauter köstliche Sachen dafür! Vielleicht kommen dann ja endlich noch mehr Betriebe in Zwettl auf die feine Idee Mitgliedbetriebe zu werden. Das gute Leben ist möglich!
Gerne würde ich in den nächsten Ausgaben dieses Newsletters Eure Ideen zu diesem Thema lesen!
Liebe Grüße
Dr. Norbert Wißgott
(mit Dank an seine Frau Franziska für ihr wie immer konstruktives Lektorat)